Offene chirurgische Behebung einer Gelenkfehlstellung zB x beine

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Offene chirurgische Behebung einer Gelenkfehlstellung, z.B X Beine

Von einer Gelenkfehlstellung ist die Rede, wenn die Gelenkachse nicht der Idealachse des Gelenks entspricht. Steht ein Gelenk in der Idealachse, verteilen sich die auf den Gelenkknorpel und die Gelenkkapsel einwirkenden Kräfte optimal.

Bei einer Fehlstellung unterliegen hingegen bestimmte Stellen einer vermehrten Belastung. Der Knorpel muss deutlich höhere Druck- und Scherkräfte verkraften, die in vielen Fällen eine degenerative Veränderung und im Laufe der Zeit eine Zerstörung des Knorpelgewebes nach sich ziehen.

Wann ist eine chirurgische Behebung einer Gelenkfehlstellung notwendig?

Gelenkfehlstellungen können angeboren oder auch erworben sein. So kommen zwei bis drei Prozent aller Neugeborenen mit einer Hüftgelenksdysplasie zur Welt, die unbehandelt zu einer dauerhaften Schädigung der Gelenkpfanne oder des Hüftkopfes führen kann.

Eine von der Idealachse abweichende Stellung der Gelenke kann jedoch auch aus einer Störung der Wachstumsfuge im Kindesalter oder aus in Fehlstellung verheilten Brüchen resultieren.

Häufige Krankheitsbilder sind:

  1. Hüftfehlstellungen
  2. Fußfehlstellungen (Ballenfuß, Hammerzeh)
  3. X- und O-Beine (Genu valgum, Genu varum),
  4. Fehlstellungen nach gelenknahen Brüchen und
  5. Längen- und Torsionswinkeldifferenzen (Verdrehungen) langer Röhrenknochen, z. B. nach Trümmerbrüchen.

Eine operative Korrektur von Gelenkfehlstellungen kommt insbesondere dann in Betracht, wenn starke Beschwerden im Alltag, im Beruf oder beim Sport zu einer Minderung der Lebensqualität führen. Um eine Operation zu rechtfertigen, sollten die Schmerzen sowohl klinisch als auch durch bildgebende Verfahren nachvollziehbar sein und eine Aussicht auf eine Besserung bestehen.

Die Wahl der Operationsmethode erfolgt nach Richtlinien, die sich an der individuellen Situation des Betroffenen orientieren.

ultrasound of child's elbow joint - diagnosis

Ultraschall des Ellenbogen beim Kind

Wo werden chirurgische Eingriffe bei Gelenkfehlstellungen durchgeführt?

Die meisten Krankenhäuser verfügen über orthopädische Abteilungen, die auch operative Korrekturen bei Gelenkfehlstellungen durchführen. Besser ausgerüstet sind jedoch meist orthopädische Kliniken, die sich besonders auf Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates spezialisiert haben.

Kleinere Operationen an Finger- oder Zehgelenken werden jedoch auch in ambulanten orthopädischen Praxen ausgeführt, beispielsweise Eingriffe an:

  1. Hand,
  2. Ellenbogen,
  3. Sprunggelenk oder
  4. Fuß.

Was geschieht bei der offenen chirurgischen Behebung einer Gelenkfehlstellung?

Zu den wichtigsten Korrekturmöglichkeiten für Gelenkfehlstellungen gehört die Umstellungsosteotomie, mit der sich Knochen und somit auch Gelenke in alle Richtungen korrigieren lassen. Allein im Jahr 2013 wurden in deutschen Krankenhäusern 30.623 Osteotomien und Korrekturosteotomien an vollstationären Patienten durchgeführt1.

Der genaue Ablauf der Operation richtet sich danach, welches Gelenk behandelt werden soll.

Umstellungsosteotomie bei Beinachsenfehlstellungen

Das Ziel der Umstellungsoperation des Knies besteht darin, die Beinachse zu verändern und auf diese Weise die Gelenkfehlstellung im Knie zu beseitigen. Grundvoraussetzung für diesen chirurgischen Eingriff sind die vollständige Beugefähigkeit und eine nur geringfügig eingeschränkte Streckfähigkeit des Kniegelenks.

O Beine

Bei O-Beinen erfolgt die Umstellung in der Regel im Bereich des Unterschenkelkopfes. Hierzu wird der Schienbeinknochen knapp unterhalb des Knies durchtrennt. Beim subtraktiven Verfahren wird auf der Außenseite des Schienbeinkopfes ein Knochenkeil entnommen.

Anschließend werden die Knochenenden durch eine Platte fest miteinander verbunden. Bei der additiven Methode wird der Tibiakopf auf der Innenseite aufgespreizt. Die Stabilisierung des durchtrennten Knochens geschieht mithilfe von Schrauben, Platten oder Klammern. Innerhalb kurzer Zeit füllt sich der erzeugte Spalt mit nachwachsendem Knochenmaterial.

VIDEO SEHEN - Behandlung Achsfehlstellung (O-Bein)

X Beine

Die Operation bei X-Beinen wird hingegen am Oberschenkelknochen durchgeführt. Hier gibt es ebenfalls die Möglichkeit zur additiven oder subtraktiven Umstellung. Die Beinachse wird dabei maximal gerade gestellt. Bei diesem Vorgang ist zusätzlich eine Raffung des Innenbandapparates im Kniegelenk erforderlich.

Eine Knie-Osteotomie dauert circa ein bis zwei Stunden. Sie kann in Vollnarkose oder in Teilnarkose (Rückenmarksanästhesie) erfolgen werden.

VIDEO SEHEN - Übungen gegen X Beine

Umstellungsosteotomie im Sprunggelenk

Bei der Umstellungsoperation am Sprunggelenk handelt es sich ebenfalls um einen offenen chirurgischen Eingriff. Hierbei wird ein meist keilförmiges Stück aus einem Knochen, für gewöhnlich aus dem Fersenbein, entnommen, um die Achse zu korrigieren und die Fehlstellung zu reduzieren.

Die Knochenanteile werden mit Stiften, Drähten, Platten oder Schrauben stabilisiert, die je nach Material im Körper verbleiben oder nach einigen Monaten oder Jahren wieder entfernt werden.

Beckenosteotomie bei Hüftfehlstellungen

Die Korrektur einer Hüftdysplasie geschieht mithilfe der Hüftkopfumstellung oder der Beckenosteotomie. Um bei einer stark ausgeprägten Fehlstellung den gewünschten Erfolg zu erzielen, kommen diese beiden Methoden häufig auch gleichzeitig zur Anwendung. Während die Umstellung des Hüftkopfes am Oberschenkelhals erfolgt, greifen Beckenosteotomien direkt an der Pfanne, also am Ursprungsort der Hüftfehlstellung, an.

Zu den bekanntesten Verfahren der Beckenosteotomie zählen:

  1. die Pfannendachplastik,
  2. die Beckenosteotomie nach Salter,
  3. die Beckenosteotomie nach Chiari,
  4. die Periazetabuläre Osteotomie nach Ganz und
  5. die Trippleosteotomie

Wie lange dauert die Erholungsphase?

Bis zur sicheren Verheilung des Knochens in seiner neuen Stellung vergehen üblicherweise sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit darf das operierte Bein bzw. das Becken nicht oder nur sehr wenig belastet werden.

Die konsequente Verwendung von Unterarmgehstützen in den ersten sechs Wochen ist unabdingbar. Während ihres Krankenhausaufenthaltes lernen die Betroffenen deshalb, sich gefahrlos mit den Gehstützen fortzubewegen und Treppen zu steigen.

Ist der Knochen hinreichend verheilt, wird die Belastung langsam gesteigert. In regelmäßigen Abständen gefertigte Röntgenaufnahmen dienen der Kontrolle des Heilungsprozesses.

Bei sitzender Tätigkeit kann der Patient seine Arbeit mit Einschränkungen nach etwa sechs bis acht Wochen wieder aufnehmen. Ist dies nicht möglich, besteht die Arbeitsunfähigkeit bis zur vollständigen knöchernen Heilung, das heißt, bis circa zwölf Wochen nach der Operation. Die vollständige Wiederherstellung ist nach etwa einem Jahr erreicht.

Therapeutisches Radfahren, Schwimmen und Gehen auf der Ebene sind nach zwölf Wochen möglich. Mit Aufbausport und Krafttraining können die Patienten nach etwa drei Monaten beginnen. Das Ausüben von Sportarten mit Sprüngen und Stoppbewegungen wie Tennis und Squash und andere Aktivitäten mit starker Belastung des betroffenen Beines sind nicht vor dem sechsten postoperativen Monat zu empfehlen.

Wie kann der Patient die Heilung positiv beeinflussen?

Um eine gute Knochenheilung zu gewährleisten, sollten die Patienten auf alle Medikamente und Substanzen verzichten, welche sich störend auf den Gesundungsprozess auswirken können. Vor allem vom Rauchen sollte Abstand genommen werden, da es Durchblutung vermindert und dadurch die Heilung verzögert.

Welche Alternativen gibt es für die Behandlung von Gelenkfehlstellungen?

Nicht bei jeder Fehlstellung eines Gelenks, die aus technischer Sicht operativ korrigierbar ist, muss ein entsprechender Eingriff wirklich durchgeführt werden. Kleinere Gelenkfehlstellungen lassen sich gegebenenfalls durch Orthesen ausgleichen. Eine gezielte Physiotherapie und Schuhzurichtungen bzw. Einlagen können ebenfalls für eine gleichmäßigere Kraftverteilung im Gelenk sorgen.

  1. „Statistisches Bundesamt www.destatis.de; Operationen und Prozeduren der vollstationären Patienten und Patientinnen der Krankenhäuser 2013, S. 22“
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