Übergewicht und Arthrose

Eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Gelenke zu schützen, ist ihre Entlastung von übermäßigen Beanspruchungen. Lange Extremstellungen einzelner Gelenke (z.B. Knie bei einem Fliesenleger) oder Stoßbelastungen bei verschiedenen Sportarten (z.B. Squash) gehören dazu. Die am meisten verbreitete Ursache für übermäßige Belastung ist jedoch Übergewicht, oder wie es der Arzt nennt: Adipositas.

Die Arthrose ist eine fortschreitende Gelenkzerstörung, deren Hauptursache die mechanische Abnutzung der Gelenkknorpelflächen ist. Infolge von kleinsten Verletzungen kommt es zu einem veränderten Abrieb an den Gelenkflächen, was schließlich mit der Zerstörung des Knorpels und dem Verlust der Gelenkfunktion endet. Dieser auch mit zunehmendem Alter natürlich auftretende Verschleiß wird vor allem durch Überlastung der Gelenke beschleunigt.

Die häufigste Überbelastung der Kniegelenke resultiert beispielsweise aus einem viel zu hohen Körpergewicht. Somit ist Übergewicht und dabei insbesondere die Fettleibigkeit (Adipositas) ein Risikofaktor, der eine Kniegelenks- oder Hüftgelenksarthrose begünstigt.

Was ist Adipositas und warum ist sie so gefährlich?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht und Fettleibigkeit als eine über das Normalmaß hinausgehende Fettzunahme des Körpers. Leichtes Übergewicht ist gerade bei älteren Menschen durchaus erwünscht, um Krankheiten besser überstehen zu können. Hingegen ist die Fettleibigkeit (Adipositas) eine krankhafte Vermehrung des Körperfetts, was schließlich zu Veränderungen im Stoffwechsel, zu Ablagerungen in den Gefäßen und zu einer Überbelastung der Gelenke führen kann.1

BMI als Maß für das relative Gewicht bzw. Übergewicht

Um ein Maß für das Gewicht der Menschen zu haben, wird gemäß den Empfehlungen der WHO der Body Mass Index (kurz: BMI) herangezogen. Dieser berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Somit ergibt sich als Einheit des BMI = kg/m2. Übergewicht beginnt ab einem BMI > 25 kg/m2; Adipositas bei > 35 kg/m2. Derzeit gilt etwa jeder zweite Deutsche als übergewichtig und jeder Fünfte ist sogar fettleibig, d. h. adipös.

Gesundheitsrisiken durch Übergewicht

Neben den allgemeinen Gesundheitsrisiken wie z. B. Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Bluthochdruck fördern Übergewicht und Adipositas ebenso in hohem Maße den Gelenkverschleiß und damit die Gelenkarthrose. Die Wissenschaft hat inzwischen zahlreiche Belege für diesen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Arthroseleiden gefunden.

Welchen Einfluss hat Fettleibigkeit auf die Gelenke?

Untersuchungen an Mäusen und Menschen zeigen gleichermaßen, dass Fettleibigkeit zu Gelenkschäden führt und dies längst nicht nur eine Ursache des zu hohen Körpergewichtes ist. Vielmehr verändert das Übermaß an Fett ebenso den Stoffwechsel, das hormonelle Gleichgewicht sowie das Immunsystem des Körpers.2.

Ein erst kürzlich veröffentlichter Versuch an einem weiteren Mausmodell zeigte, dass eine hochkalorische Diät nicht nur die Fettzunahme bei den Tieren begünstigte, sondern gleichzeitig auch eine Osteoarthritis (Arthrose) förderte. Die Tiere verringerten zudem ihre Aktivität deutlich, was wohl als ein Anzeichen für Schmerzen und Gelenkschäden gedeutet werden könnte.3

Lassen sich die Befunde aus den Mäusestudien so auch auf den Menschen übertragen?

Im Prinzip schon, denn auch beim Menschen erhöht eine übermäßige Körpergewichtszunahme das Risiko für eine spätere Arthrose. Holliday und Kollegen untersuchten bereits im Jahr 2011 mehr als 3000 Patienten auf den Zusammenhang zwischen deren BMI und dem Auftreten einer Knie- (n = 1042 untersuchte Patienten) oder einer Hüftgelenksarthrose (n = 1007 untersuchte Patienten). Weitere 1121 Menschen dienten als Kontrolle.

Die Forscher stellten fest, dass mit steigendem BMI-Wert auch die Wahrscheinlichkeit einer Kniegelenksarthrose erhöht war. Es gab darüber hinaus auch den gleichen Zusammenhang zwischen Adipositas und einer Hüftgelenksarthrose, jedoch mit einer etwas geringeren Wahrscheinlichkeit. Je früher im Leben das Übergewicht bei den Probanden auftrat, desto wahrscheinlicher litten diese Menschen später unter einer Arthrose.4

Übergewicht und Muskulatur

Eine aktuelle Studie aus den USA stellt darüber hinaus Zusammenhänge zwischen Übergewicht, Muskelschwäche in den Beinen und Kniearthrose her. Ganz allgemein gesagt fördert Übergewicht den Bewegungsmangel.

Trifft dies mit einem höheren Lebensalter zusammen, kann der daraus resultierende Muskelverlust eine Arthrose fördern. Die Forscher untersuchten 858 Menschen mit einem durchschnittlichen Alter von 73 Jahren. Der Grad der Arthrose im Kniegelenk wurde mittels Röntgenaufnahmen beurteilt. Zusätzlich machten die Patienten Aussagen über ihre Schmerzbelastung in einem Fragebogen. Im Ergebnis stand schließlich fest, dass Patienten mit einer nachweisbaren Gelenkarthrose unabhängig von den Schmerzen eine sehr viel schlechtere Beinmuskulatur aufwiesen, als jene, bei denen keine Arthrose dargestellt werden konnte.5

Doch bedeutet der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Arthrose im Umkehrschluss auch, dass eine Gewichtsabnahme das Risiko verringern kann?

Ist Adipositasprävention auch Arthroseprävention?

Also: Beugt ein Normalgewicht auch der Arthrose vor? Nach heutigem Kenntnisstand muss diese Frage mit einem „Ja“ beantwortet werden.

Adipositas und Arthrose treten als sogenannte Komorbiditäten sehr häufig gemeinsam auf. Zum einen liegt dies daran, dass durch die Gewichtszunahme starke mechanische Belastungen auf den Knorpel wirken und diesen letztlich zerstören. Zum anderen verändert das zusätzliche Fett die Körperzusammensetzung und beeinflusst das Verhalten der Betroffenen; die Bewegung wird zunehmend eingeschränkt, was wiederum die Beinmuskulatur verkümmern lässt.

Durch eine Gewichtsreduktion lässt sich das Arthroserisiko verringern„, so Wluka und Kollegen in ihrer Übersichtsarbeit.6. „Bei einer bereits bestehenden Arthrose könnten die Symptome dadurch schwächer werden und eine Funktionsverbesserung eintreten.“ Generell ist jedoch zu beachten, dass je länger die Erkrankung bereits besteht, desto mehr Zeit wird nötig sein, um die Arthrose zu verlangsamen oder möglicherweise sogar ganz aufhalten zu können.

Weitere Quellen:

  1. WHO. 2000. Obesity: preventing and managing the global epidemic. WHO Technical Report Series 894. Genf, Switzerland
  2. Griffin & Guilak. 2008. Why is obesity associated with osteoarthritis? Insights from mouse models of obesity. Biorheology 45(3-4), 387–398; Sowers & Karvonen-Gutierrez. 2010. The evolving role of obesity in knee osteoarthritis. Curr Opin Rheumatol 22(5), 533–537; doi:10.1097/BOR.0b013e32833b4682
  3. O’Conor et al. 2013. Increased susceptibility of Trpv4-deficient mice to obesity and obesity-induced osteoarthritis with very high-fat diet. Ann Rheum Dis 72(2), 300-4; doi: 10.1136/annrheumdis-2012-202272
  4. Holliday et al. 2011. Lifetime body mass index, other anthropometric measures of obesity and risk of knee or hip osteoarthritis in the GOAL case-control study. Osteoarthritis Cartilage 19(1), 37-43; doi: 10.1016/j.joca.2010.10.014
  5. Conroy et al. 2013. Muscle Strength, Mass and Quality in Older Men and Women with Knee Osteoarthritis: Findings from Health, Aging and Body Composition Study. Arthritis Care Res (Hoboken) 64(1), 15–21; doi:10.1002/acr.20588
  6. Wluka et al. 2013. Tackling obesity in knee osteoarthritis. Nat Rev Rheumatol 9(4), 225-35; doi: 10.1038/nrrheum.2012.224
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Comments (2)

  1. hallo
    habe auf eine konkrete hilfe gegen meine artrose in den knien und Handgelenken gesucht.
    es ist viel info aber auch viele wenn und aber. bin 60 jahre alt und muss noch 2 1/2 jahre arbeiten ohne Tabletten geht’s nicht mehr . diclo75mg ibuflam bis 800mg schlagen mir auf den magen . eine konkrete angabe zur Behandlung wäre hilfreich, da ich auch nicht immer zum Arzt rennen will und doch nichts konkretes zu hören bekomme zuzahlung hier und zahlt die kasse nicht da. aber bis zum umfallen arbeiten ja denn die steuern müssen ja bezahlt werden

    • hallo ennulat,
      ich habe Ihren Kommentar gelesen, wundere mich zwar das er der einzige ist. Empfehlung, das Gespräch bei einem älteren Orthopäden zwecks Alternativangebote bitten, was er empfehlen würde. Ich leide auch an Arthrose, beide Knie. Wurde gespritzt li 5x, re 3x/Spritzen austherapiert/Infektionsgefahr/Kostenfrage? Keine Ahnung! Hatten gut geholfen u. Zäpfchen Diclac 100 (greifen die Nieren an), weil ich auch vom Magen keine Tabletten vertrage. Außerdem wirkten für gutartige Erkrankungen/Entzündungsbestrahlungen(Strahlenklinik Dr. Heider/Eckstein in Halle, Niemeyerstr.24) sehr gut(b. mir). Dabei werden körpereigene „schmerzproduzierende“ Substanzen ausgeschüttet. Hatte mehrere Serien, gut vorgehalten. Den Rest wie Gewicht, Bewegung, Ernährungsergänzung, Erbanlagen ist alles wichtig. Wenn aber ein erheblicher Schaden vorhanden ist wird man (ich 63J) mit seinen Krankheiten leben müssen u. muß das Beste daraus machen. OP herauszögern/Empfehlung der Ärzte/ bis es unerträglich wird. Manche haben Glück u. manche danach erhebliche Probleme, wie wir in der Fam.. Von der Ansteckung d. Krankenhauskeime mal ganz abgesehen. Ihnen viel Erfolg!
      mfG

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