Operationen

Operationen am Sprunggelenk

Operationen am Sprunggelenk

Die Sprunggelenke sind die am stärksten belasteten Gelenke des menschlichen Körpers. Beim Stand auf einem Bein muss das jeweilige Gelenk das gesamte Körpergewicht tragen. Noch höher sind die dynamischen Belastungen beim Gehen und Laufen.

Aufgrund der hohen Beanspruchung machen sich Verletzungen oder Erkrankungen des Sprunggelenks meist sofort durch Schmerzen bemerkbar. Bringen konservative Therapiemöglichkeiten keine ausreichende Linderung, kann ein chirurgischer Eingriff unvermeidlich sein. Das ist spätestens dann der Fall, wenn jeder Schritt zur Qual wird.

Gründe für Sprunggelenks-Operationen

Am Sprunggelenk können verschiedene Verletzungen auftreten, die unter Umständen eine Operation erforderlich machen. Innen- und Außenbandrisse gehören ebenso dazu wie Knochenbrüche oder eine gerissene Achillessehne.

Weitere mögliche Gründe für einen chirurgischen Eingriff sind Knorpelschäden, Gelenkverschleiß, Gelenkmausbildung oder Fußfehlstellungen. Das grundsätzliche Ziel von Sprunggelenk-OPs besteht in der Wiederherstellung der Belastbarkeit und dem dauerhaften Erhalt des Gelenks.

VIDEO: Fuss und Sprunggelenk Verletzungen

Außenbandriss

Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk, insbesondere Außenbandrisse, entstehen größtenteils durch „Umknicken“. In der Regel heilen solche Läsionen unter Schutz einer gelenkstabilisierenden Stützschiene (Orthese) ohne größere Probleme aus.

Verbleibt eine nicht kompensierbare Instabilität des Gelenks, lässt sich der Zustand meist durch operative Maßnahmen verbessern. Bevorzugt werden hierbei anatomische Wiederherstellungsverfahren, bei denen der natürliche Bandverlauf erhalten bleibt.

Der Operateur heftet die abgerissenen Bänder wieder an und verstärkt sie gegebenenfalls mit der vom selben Unterschenkel entnommenen Plantarissehne oder mit der kräftigen Knochenhaut (Periost) des Wadenbeins. Da der Plantarismuskel inkonstant vorhanden aber nicht von funktioneller Bedeutung ist, kann seine dünne Sehne ohne weiteres als Transplantat verwendet werden.

Ist ein banderhaltender Eingriff nicht möglich, bietet sich alternativ der Ersatz des Außenbandes durch ein gestieltes Sehnentransplantat an. In diesem Fall wird die längsgespaltene Sehne des kurzen Wadenbeinmuskels über die Wadenbeinspitze umgeleitet und am Sprungbein fixiert. Durch diese Maßnahme lässt sich das Sprunggelenk gut stabilisieren, wobei jedoch die Beweglichkeit des Gelenks etwas eingeschränkt wird.

Hinweise zur Heilung:

In den ersten Tagen nach der Operation sollte der Patient das betroffene Bein möglichst oft hochlagern, um die optimale Wundheilung zu fördern.

Die Mobilisation erfolgt anfänglich ohne Belastung in einem Liegegips, später dann in einem Gehgips. Teilweise kann auch eine Gipsersatzorthese Anwendung finden.

In der Regel dauert die Entlastung sechs bis acht Wochen. Nach circa acht bis zehn Wochen ist eine Vollbelastung im orthopädisch zugerichteten Schuh möglich. Eigenübungen helfen dabei, schneller wieder beweglicher zu werden.

Knorpelschäden am oberen Sprunggelenk

Nach Sprunggelenkverletzungen, aber auch durch Arthrose, können am Gelenk Knorpelschäden auftreten. Meistens befinden sich diese an der sogenannten Talusschulter, der innenseitgen Kante des Sprungbeins.

Abgescherte Knorpel-Knochen-Fragmente kann der Arzt beispielsweise mithilfe von Schrauben oder biologisch abbaubaren Kunststoffimplantaten wieder fixieren. Der Eingriff erfolgt vorwiegend offen über einen kurzen Schnitt. Ist das verletzte Areal gut erreichbar, kann er auch minimalinvasiv im Rahmen einer Arthroskopie durchgeführt werden.

Hinweise zur Heilung:

Das Bein muss zunächst für mindestens sechs Wochen entlastet werden, bevor über weitere vier bis sechs Wochen ein schrittweiser Belastungsaufbau erfolgt.

Durch die regelmäßige Durchführung krankengymnastischer Übungen können die Patienten den schnellen Genesungsprozess unterstützen. Durch die Bewegung des Gelenks steigert sich die Produktion der Gelenkflüssigkeit, aus der sich bestehende und neu gebildete Knorpelzellen ernähren.

Gelenkmausbildung (Osteochondrosis dissecans)

Sogenannte Gelenkmäuse treten bevorzugt am Sprungbein (Talus) auf, welches als erster Fußwurzelknochen die Lastübertragung am oberen Sprunggelenk übernimmt. Aufgrund einer lokalen Durchblutungsstörung oder infolge einer Verletzung löst sich im Verlauf eines längeren Zeitraums ein Knorpel-Knochen-Fragment aus der Taluskante.

Bei begrenzten Knorpelverletzungen lässt sich die Durchblutung meist durch eine arthroskopisch gesteuerte Anbohrung des darunterliegenden Knochens wiederherstellen.

Isoliert abgelöste Knorpel-Knochen-Anteile können mit speziell auflösbaren Stiften angeheftet, die Gelenkoberfläche wieder hergestellt und eine Arthrose verhindert werden.

Ist bereits Knochen abgestorben, besteht die Möglichkeit, diesen durch körpereigene Knochentransplantate, beispielsweise aus dem Beckenkamm zu ersetzen.

Hinweise zur Heilung:

Die Ausheilung kann Monate dauern, da der Knochenumbau durch Osteoblasten und Osteoklasten lange Zeit in Anspruch nimmt. Günstiger ist der Heilungsverlauf, wenn der Eingriff minimalinvasiv durchgeführt wird.

Eine direkt ansetzende Physiotherapie kann die Heilungsdauer verkürzen, da das Gelenk dadurch beweglich und die Muskeln aktiv bleiben.

Achillessehnenriss

Bei einer Ruptur der Achillessehne gehen die Chirurgen inzwischen überwiegend minimalinvasiv vor.

Üblicherweise werden die beiden Sehnenenden, durch einen Hautschnitt aneinandergenäht. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Risses ist bei dieser Methode deutlich geringer als bei der konservativen Behandlung durch Ruhigstellung.

Ist der Abstand zwischen den Sehnenenden zu groß, rekonstruiert der Operateur die Achillessehne mithilfe von Muskelhaut aus der Wadenmuskulatur. Auf diese Weise lassen sich Defekte von bis zu 5 cm Länge überbrücken.

Größere Defekte können durch den Transfer der Großzehenbeugersehne (Flexor hallucis longus) behoben werden. Hierzu wird die Sehne abgelöst und mit den Enden der Achillessehne vernäht. Die Großzehenbeugung übernimmt der Kleinzehenbeuger.

Hinweise zur Heilung:

Wurde der Fuß nach einer Achillessehnen-OP früher noch für sechs Wochen mit einem Gips in spitzer Stellung fixiert, sind einige Mediziner heute der Meinung, dass eine Belastung unmittelbar nach dem Eingriff erfolgen sollte.

Ihre Patienten tragen einen Spezialstiefel, mit dem sich sowohl der Winkel für die Fußstellung als auch das auf dem Fuß lastende Gewicht regulieren lassen. Im Normalfall wird der Fuß zwei Wochen in Spitzstellung fixiert, bevor mit dem stetig steigernden Belasten begonnen wird.

Krankengymnastik und Lymphdrainagen gegen die Schwellung sollten so lange durchgeführt werden, bis wieder eine Vollbelastung möglich ist. Anschließend folgt im Idealfall eine Schulung, bei welcher der Patient wieder richtig gehen lernt.

Heilt die Sehne gut, können die Betroffenen nach drei bis vier Monaten mit gemäßigtem Sport beginnen. Nach einem Jahr sollte es möglich sein, mit dem operierten Bein wieder auf Zehenspitzen zu stehen und auf und ab zu wippen.

Endoprothese des oberen Sprunggelenks

Liegt eine Arthrose vor und versprechen andere operative oder konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung, kann der Ersatz des oberen Sprunggelenks durch eine Endoprothese nötig sein. Durchgeführt wird dieser Eingriff unter Vollnarkose oder unter Spinal- oder Periduralanästhesie.

Auf der Unterschenkelvorderseite mit Übergang zum Fußrücken wird ein circa 8 bis 12 Zentimeter langer Schnitt entlang der vorderen Fußhebersehne angelegt. Die Sehnen auf der Vorderseite des Gelenks werden beiseitegehalten und der Chirurg durchtrennt die Gelenkkapsel und löst die Knochenhaut ab, um freien Einblick auf das Gelenk zu erhalten.

Überschießende Knochenwucherungen werden beseitigt, und eine etwa 5 mm dicke Scheibe vom Unterschenkel sowie eine dünne Scheibe vom Sprungbein abgetrennt. Die Seitenwangen vom Sprungbein werden ebenso entfernt wie die Gelenkinnenhaut und Kapselanteile.

Über Probeimplantate wird die Passgenauigkeit der definitiven Implantate überprüft, bevor diese zementfrei eingesetzt werden. Anschließend verschließt der Operateur die Gelenkkapsel und die Sehnenhüllen über einem Blutablaufschlauch.

Zum Vernähen der Wunde verwendet er einen nicht resorbierenden Faden. Liegt eine Achsfehlstellung des Gelenks vor, wird der Eingriff um eine Sehnenverlängerung bzw. Sehnenverlagerung, eine Knochenversetzung, eine Seitenbandlösung und/oder einen Bandersatz ergänzt.

Hinweise zur Heilung:

Zwei Wochen nach der Sprunggelenk-OP werden die Fäden entfernt. Belasten und Bewegen kann der Patient den Knöchel abhängig von seinen individuellen Verhältnissen nach der ersten bis fünften postoperativen Woche.

Wurden zusätzliche Maßnahmen zur Beseitigung einer Achsfehlstellung durchgeführt, verlängert sich die Ruhigstellung auf circa sechs Wochen. Beschwerdefreies Gehen sollte nach drei bis sechs Monaten möglich sein.

Das Einkaufen und die Haushaltsführung sind für sechs bis zwölf Wochen mehr oder weniger behindert. Auf sportliche Belastung wie Wandern oder Radfahren müssen die Betroffenen etwa drei Monate lang verzichten.

Sportarten mit hoher axialer Belastung des Sprunggelenks, beispielsweise Springen, Fußball oder Tennis sind nach einer solchen Operation prinzipiell ungünstig.

Es ist ratsam, die Nachsorge und die Reha wie vom Arzt empfohlen durchzuführen, da sonst die Rückgewinnung der Bewegungs- und Belastungsfähigkeit deutlich länger dauern und das Endergebnis schlechter ausfallen kann.

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