Ratgeber Mobilität

Knie und Hüfte

Ihre Mobilität hängt buchstäblich an den beiden größten Gelenken Ihres Körpers, den Hüften und Knien.

Diesen Gelenken wird viel abverlangt: Sie müssen Ihr volles Gewicht tragen und zum Teil äusserst komplexe Bewegungen über ein Leben lang ausführen: Stehen, Gehen, Laufen, Tanzen und Sport über hoffentlich viele Jahrzehnte.

Es überrascht also nicht, dass Hüft- und Knieschmerzen häufig auftretende Beschwerden sind.

Mit fortschreitendem Alter kann fast jeder mit Schmerzen oder Funktionsverlust in diesen Gelenken rechnen.

Künstliche Gelenke und andere medizinische Fortschritte haben die Mobilität für Menschen mit starken Gelenkschmerzen dramatisch verbessert. Ausserdem haben Fortschritte der Gelenkpflege – durch bessere Prävention und Rehabilitation – auch vielen Menschen geholfen, ihre schonmals verlorene Mobilität wiederzuerlangen oder sich schneller von Operationen zu erholen.

Generell ist es wichtig zu verstehen, dass die präventive und rehabilitative Pflege von Hüften und Knien helfen kann, den Verlust der Mobilität im Alter zu verzögern und im Idealfall sogar ganz zu vermeiden.

Wie Knie und Hüften funktionieren

Sowohl Hüfte als auch Knie sind Meisterleistungen der Mechanik.

Im Kniegelenk treffen drei Knochen aufeinander: Oberschenkelknochen, Schienbein und Patella (Kniescheibe). Die einfachste Art das Knie zu verstehen ist, es sich als Scharnier vorzustellen, das sich in einer Ebene öffnet und schließt, wie der Deckel einer Schachtel.

Das Gelenk ist natürlich komplizierter als ein einfaches Scharnier, um mehr Bewegung zu erlauben; denn jedes Mal, wenn Sie das Knie beugen oder strecken, werden die drei Knochen durch Rotation, Gleiten und Rollen neu ausgerichtet. Die Muskeln um das Knie herum stellen sicher, dass diese komplexen Bewegungen stabil und korrekt ablaufen.

VIDEO: Warum Kniebeugen so wichtig sind

Auch die Hüfte ist ein komplexes Gelenk. Knochen, Muskeln und andere Gewebe erstrecken sich über den Hüftknochen hinaus zum Oberschenkel, zur Leiste und bis zum Gesäß.

Die Hüfte selbst ist ein Kugelgelenk, das einen sehr großen Bewegungsumfang hat. So ist es zu mehr Bewegungsarten als das Knie fähig, wie z.B. das Schwingen der Beine zur Seite oder das Herausdrehen, so dass man im Schneidersitz sitzen kann.

All diese komplexe Mobilität, insbesondere weil kombiniert mit der Notwendigkeit, das Körpergewicht zu tragen, macht die Hüfte anfällig für Verletzungen, Schmerzen und Mobilitätsverlust, wenn eine ihrer Komponenten nicht richtig mitspielt.

Allgemeine Knie- und Hüftpflege

Die Pflege der Gelenke und das Erhalten der Mobilität ist langfristig sehr wichtig.

Im folgenden können Sie einige Tipps und Tricks lernen, insbesondere wenn Sie schon eine Verletzung, Arthrose oder anderweitig entstandene Gelenkschmerzen haben. Diese Tipps sind besonders relevant für die Knie, sowie auch teilweise für die Hüften. Dieselben Tipps gelten auch für die Knöchel.

PECH für Verletzungen

PECH steht für Pause, Eis, Compression und Hochlagern. Die PECHregel ist eine Erste-Hilfe-Strategie für die meisten Muskelverletzungen, einschließlich derjenigen an Knien und Hüften. Für die Knie ist es manchmal die einzige Behandlung, die Sie benötigen.

Pause bedeutet nicht unbedingt, im Bett oder auf der Couch zu liegen – tatsächlich kann Untätigkeit Verletzungen verschlimmern, indem sie Steifheit um die Gelenke herum verursacht und die Muskeln schwächt. Stattdessen bedeutet Pause, die Art der Aktivität zu vermeiden, die direkt zu der Verletzung geführt hat, und Aktivitäten mit geringer Belastung auszuprobieren, die den Druck auf das Gelenk vermeiden.

Eis kann Schwellungen reduzieren, indem es verletzte Blutgefäße schrumpfen lässt und ausserdem schmerzlindernd wirken. Verwenden Sie einen selbstgemachten oder im Geschäft gekauften – am besten formbaren – Eisbeutel und legen Sie ihn für jeweils 20 Minuten auf die verletzte Stelle auf, mit 20-minütigen Pausen dazwischen.

Wenn Sie Eis aus Ihrem eigenen Gefrierschrank verwenden, tragen Sie es nicht direkt auf die Haut auf, sondern achten Sie darauf, dass sich zwischen dem Eis und Ihrer Haut eine Schicht aus Stoff oder anderem Material befindet, um Sie vor Erfrierungen zu schützen.

Es sind auch Geräte erhältlich, die durch die Verwendung von zirkulierendem Kaltwasser anstelle von Eis kontinuierlich das Gelenke kühlen. Diese sollten jedoch auch mit 20-minütigen Pausen zwischen den Kühlsitzungen verwendet werden.

Eis hilft bei Knieverletzungen aller Art. Bei Hüftverletzungen kann die Kälte zwar nicht tief in das Hüftgelenk eindringen, aber bei oberflächennahen Problemen trotzdem wirksam sein.

Die Compression kann die Regeneration fördern, indem sie die Schwellung reduziert und das geschwächte Knie oder Sprunggelenk nach einer Verletzung mitträgt. Das Tragen einer dehnbaren Neoprenstütze oder das Umwickeln eines verletzten Knies oder Knöchels mit einem elastischen Verband sorgt für Kompression. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Wicklung nicht so eng ist, dass die Haut unter dem Gelenk kühl oder blau wird.

Hochlagern– die Erhöhung eines verletzten Beines und die Abstützung auf einem Kissen oder Hocker – kann auch die Schwellung reduzieren, indem sie verhindert, dass sich Blut an der Stelle der Verletzung sammelt.

Wärme bei Langzeitschmerzen und Steifigkeit

Das Kühlen mit Eis ist die beste Therapie am ersten und zweiten Tag nach einer Verletzung, weil sie die Schwellung reduziert; danach kann Wärme helfen, Schmerzen zu lindern. Wärme reduziert die Steifigkeit und fördert gleichzeitig die Flexibilität der Muskulatur.

Sportler nutzen morgens sowie vor dem Training oder Dehnen Wärme, und nach dem Training oder am Ende des Tages Eis. Sie können ein im Laden gekauftes Heizkissen verwenden oder ein feuchtes Handtuch in der Mikrowelle in 20-Sekunden-Schritten erhitzen, bis es die gewünschte Temperatur erreicht ist. Passen Sie auf, dass Sie sich nicht verbrennen!

Ein warmes Bad (Hydrotherapie) ist ein Grundpfeiler der Physiotherapie für Gelenke und Muskeln. Dafür benötigen kein professionelles Whirlpoolbad. Das Einweichen in einem heißen Bad oder eine heiße Dusche kann schon oft helfen.

Gymnastik und Bewegung

Obwohl Ihre Gelenke bei einer Verletzungen zur Erholung ruhen müssen, ist Bewegung ein wichtiger Teil der Regeneration oder bei Krankheiten wie Arthrose. Häufig werden Gelenkschmerzen durch ein rezeptfreies Schmerzmittel in Kombination mit einer Physiotherapie oder einer Reihe von spezifischen Gymnastikübungen behandelt.

Ein Physiotherapeut arbeitet dabei oft mit einem Orthopäden zusammen, um Ihnen zu helfen, ein Bewegungsprogramm zur Behandlung Ihres individuellen Problems durchzuführen. Physiotherapie beinhaltet in der Regel eine oder mehrere Sitzungen von beaufsichtigten Übungen in Kombination mit Übungen, die Sie regelmäßig zu Hause durchführen können und sollten.

Das primäre Ziel ist es oft, den Bewegungsumfang in einem Gelenk zu erhöhen, indem Dehnungen und Bewegungen verwendet werden, die ein Gelenk sanft an den Rand seines Kraft- und Bewegungsspektrums führen. Ein weiteres Ziel ist die Stärkung spezifischer Muskeln um ein Gelenk herum, die einige Gelenkprobleme korrigieren oder ein schmerzhaftes Gelenk besser unterstützen können. Gleichgewichtsübungen können Ihnen auch helfen, die Gelenke stabil zu halten und Verletzungen zu vermeiden.

Mobilitätshilfen

Stöcke und Gehhilfen sind einfache Hilfsmittel, die die Stabilität und Mobilität signifikant verbessern. Sie verhindern Stürze und Verletzungen und entlasten schmerzhafte Hüften oder Knie. Wenn Sie sich von einer Verletzung oder Operation erholen, mit Arthritis kämpfen oder eine Gleichgewichtsstörung kurieren, kann Ihnen ein Rohrstock oder Walker helfen, aktiv zu bleiben und weitere, sekundär entstehende Behinderungen zu vermeiden.

Dennoch fühlen sich viele Menschen ungern oder verlegen, sie zu benutzen; etwa 30% bis 50% der Menschen hören auf, Geräte zu benutzen, die ihnen vom Arzt verschrieben wurden. Wenn Ihr Arzt eine Gehhilfe empfiehlt, lassen Sie sich nicht von Ihrem Stolz davon abhalten, ihn zu verwenden.

Je mehr Sie sich auf einem Stock abstützen, desto weniger Gewicht lastet auf Ihrer Hüfte oder Ihrem Knie. Diese Geräte sollten Teil eines allumfassenderen Plans für Ihre Mobilität sein, der Übungen für die Muskelstärkung, sowie einen langfristigen Behandlungs-, Ernährungsplan, regelmäßige Spaziergänge und körperliche Aktivität beinhalten sollte.

VIDEO: Rollatoren im Test

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