Operationen am Sprunggelenk

Was Sie √ľber Ihre Sprunggelenke wissen sollten!

Die Sprunggelenke sind die am stärksten belasteten Gelenke des menschlichen Körpers. Beim Stand auf einem Bein muss das jeweilige Gelenk das gesamte Körpergewicht tragen. Noch höher sind die dynamischen Belastungen beim Gehen und Laufen.

Aufgrund der hohen Beanspruchung machen sich Verletzungen oder Erkrankungen des Sprunggelenks meist sofort durch Schmerzen bemerkbar. Bringen konservative Therapiemöglichkeiten keine ausreichende Linderung, kann ein chirurgischer Eingriff unvermeidlich sein. Das ist spätestens dann der Fall, wenn jeder Schritt zur Qual wird.

Gr√ľnde f√ľr Sprunggelenks-Operationen

Am Sprunggelenk k√∂nnen verschiedene Verletzungen auftreten, die unter Umst√§nden eine Operation erforderlich machen. Innen- und Au√üenbandrisse geh√∂ren ebenso dazu wie Knochenbr√ľche oder eine gerissene Achillessehne.

Weitere m√∂gliche Gr√ľnde f√ľr einen chirurgischen Eingriff sind Knorpelsch√§den, Gelenkverschlei√ü, Gelenkmausbildung oder Fu√üfehlstellungen. Das grunds√§tzliche Ziel von Sprunggelenk-OPs besteht in der Wiederherstellung der Belastbarkeit und dem dauerhaften Erhalt des Gelenks.

VIDEO: Fuß- und Sprunggelenk

Außenbandriss

Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk, insbesondere Au√üenbandrisse, entstehen gr√∂√ütenteils durch ‚ÄěUmknicken‚Äú. In der Regel heilen solche L√§sionen unter Schutz einer gelenkstabilisierenden St√ľtzschiene (Orthese) ohne gr√∂√üere Probleme aus.

Verbleibt eine nicht kompensierbare Instabilit√§t des Gelenks, l√§sst sich der Zustand meist durch operative Ma√ünahmen verbessern. Bevorzugt werden hierbei anatomische Wiederherstellungsverfahren, bei denen der nat√ľrliche Bandverlauf erhalten bleibt.

Der Operateur heftet die abgerissenen Bänder wieder an und verstärkt sie gegebenenfalls mit der vom selben Unterschenkel entnommenen Plantarissehne oder mit der kräftigen Knochenhaut (Periost) des Wadenbeins.

Da der Plantarismuskel inkonstant vorhanden aber nicht von funktioneller Bedeutung ist, kann seine d√ľnne Sehne ohne weiteres als Transplantat verwendet werden.

Ist ein banderhaltender Eingriff nicht m√∂glich, bietet sich alternativ der Ersatz des Au√üenbandes durch ein gestieltes Sehnentransplantat an. In diesem Fall wird die l√§ngsgespaltene Sehne des kurzen Wadenbeinmuskels √ľber die Wadenbeinspitze umgeleitet und am Sprungbein fixiert.

Durch diese Maßnahme lässt sich das Sprunggelenk gut stabilisieren, wobei jedoch die Beweglichkeit des Gelenks etwas eingeschränkt wird.

Hinweise zur Heilung

In den ersten Tagen nach der Operation sollte der Patient das betroffene Bein möglichst oft hochlagern, um die optimale Wundheilung zu fördern.

Die Mobilisation erfolgt anfänglich ohne Belastung in einem Liegegips, später dann in einem Gehgips. Teilweise kann auch eine Gipsersatzorthese Anwendung finden.

In der Regel dauert die Entlastung sechs bis acht Wochen. Nach circa acht bis zehn Wochen ist eine Vollbelastung im orthop√§disch zugerichteten Schuh m√∂glich. Eigen√ľbungen helfen dabei, schneller wieder beweglicher zu werden.

Operationen am Sprunggelenk aufgrund von Gelenkbeschwerden an verschiedenen Stellen

Knorpelschäden am oberen Sprunggelenk

Nach Sprunggelenkverletzungen, aber auch durch Arthrose, können am Gelenk Knorpelschäden auftreten. Meistens befinden sich diese an der sogenannten Talusschulter, der innenseitgen Kante des Sprungbeins.

Abgescherte Knorpel-Knochen-Fragmente kann der Arzt beispielsweise mithilfe von Schrauben oder biologisch abbaubaren Kunststoffimplantaten wieder fixieren. Der Eingriff erfolgt vorwiegend offen √ľber einen kurzen Schnitt.

Ist das verletzte Areal gut erreichbar, kann er auch minimalinvasiv im Rahmen einer Arthroskopie durchgef√ľhrt werden.

Hinweise zur Heilung

Das Bein muss zun√§chst f√ľr mindestens sechs Wochen entlastet werden, bevor √ľber weitere vier bis sechs Wochen ein schrittweiser Belastungsaufbau erfolgt.

Durch die regelm√§√üige Durchf√ľhrung krankengymnastischer √úbungen k√∂nnen die Patienten den schnellen Genesungsprozess unterst√ľtzen. Durch die Bewegung des Gelenks steigert sich die Produktion der Gelenkfl√ľssigkeit, aus der sich bestehende und neu gebildete Knorpelzellen ern√§hren.

Gelenkmausbildung (Osteochondrosis dissecans)

Sogenannte Gelenkm√§use treten bevorzugt am Sprungbein (Talus) auf, welches als erster Fu√üwurzelknochen die Last√ľbertragung am oberen Sprunggelenk √ľbernimmt. Aufgrund einer lokalen Durchblutungsst√∂rung oder infolge einer Verletzung l√∂st sich im Verlauf eines l√§ngeren Zeitraums ein Knorpel-Knochen-Fragment aus der Taluskante.

Bei begrenzten Knorpelverletzungen lässt sich die Durchblutung meist durch eine arthroskopisch gesteuerte Anbohrung des darunterliegenden Knochens wiederherstellen.

Isoliert abgelöste Knorpel-Knochen-Anteile können mit speziell auflösbaren Stiften angeheftet, die Gelenkoberfläche wieder hergestellt und eine Arthrose verhindert werden.

Ist bereits Knochen abgestorben, besteht die Möglichkeit, diesen durch körpereigene Knochentransplantate, beispielsweise aus dem Beckenkamm zu ersetzen.

Hinweise zur Heilung

Die Ausheilung kann Monate dauern, da der Knochenumbau durch Osteoblasten und Osteoklasten lange Zeit in Anspruch nimmt. G√ľnstiger ist der Heilungsverlauf, wenn der Eingriff minimalinvasiv durchgef√ľhrt wird.

Eine direkt ansetzende Physiotherapie kann die Heilungsdauer verk√ľrzen, da das Gelenk dadurch beweglich und die Muskeln aktiv bleiben.

Achillessehnenriss

Bei einer Ruptur der Achillessehne gehen die Chirurgen inzwischen √ľberwiegend minimalinvasiv vor.

Üblicherweise werden die beiden Sehnenenden durch einen Hautschnitt aneinandergenäht. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Risses ist bei dieser Methode deutlich geringer als bei der konservativen Behandlung durch Ruhigstellung.

Ist der Abstand zwischen den Sehnenenden zu gro√ü, rekonstruiert der Operateur die Achillessehne mithilfe von Muskelhaut aus der Wadenmuskulatur. Auf diese Weise lassen sich Defekte von bis zu 5 cm L√§nge √ľberbr√ľcken.

Gr√∂√üere Defekte k√∂nnen durch den Transfer der Gro√üzehenbeugersehne (Flexor hallucis longus) behoben werden. Hierzu wird die Sehne abgel√∂st und mit den Enden der Achillessehne vern√§ht. Die Gro√üzehenbeugung √ľbernimmt der Kleinzehenbeuger.

Hinweise zur Heilung

Wurde der Fu√ü nach einer Achillessehnen-OP fr√ľher noch f√ľr sechs Wochen mit einem Gips in spitzer Stellung fixiert, sind einige Mediziner heute der Meinung, dass eine Belastung unmittelbar nach dem Eingriff erfolgen sollte.

Ihre Patienten tragen einen Spezialstiefel, mit dem sich sowohl der Winkel f√ľr die Fu√üstellung als auch das auf dem Fu√ü lastende Gewicht regulieren lassen. Im Normalfall wird der Fu√ü zwei Wochen in Spitzstellung fixiert, bevor mit dem stetig steigernden Belasten begonnen wird.

Krankengymnastik und Lymphdrainagen gegen die Schwellung sollten so lange durchgef√ľhrt werden, bis wieder eine Vollbelastung m√∂glich ist. Anschlie√üend folgt im Idealfall eine Schulung, bei welcher der Patient wieder richtig gehen lernt.

Heilt die Sehne gut, können die Betroffenen nach drei bis vier Monaten mit gemäßigtem Sport beginnen. Nach einem Jahr sollte es möglich sein, mit dem operierten Bein wieder auf Zehenspitzen zu stehen und auf und ab zu wippen.

Endoprothese des oberen Sprunggelenks

Liegt eine Arthrose vor und versprechen andere operative oder konservative Ma√ünahmen keine ausreichende Besserung, kann der Ersatz des oberen Sprunggelenks durch eine Endoprothese n√∂tig sein. Durchgef√ľhrt wird dieser Eingriff unter Vollnarkose oder unter Spinal- oder Periduralan√§sthesie.

Auf der Unterschenkelvorderseite mit √úbergang zum Fu√ür√ľcken wird ein circa 8 bis 12 Zentimeter langer Schnitt entlang der vorderen Fu√ühebersehne angelegt.

Die Sehnen auf der Vorderseite des Gelenks werden beiseitegehalten und der Chirurg durchtrennt die Gelenkkapsel und löst die Knochenhaut ab, um freien Einblick auf das Gelenk zu erhalten.

√úberschie√üende Knochenwucherungen werden beseitigt, und eine etwa 5 mm dicke Scheibe vom Unterschenkel sowie eine d√ľnne Scheibe vom Sprungbein abgetrennt. Die Seitenwangen vom Sprungbein werden ebenso entfernt wie die Gelenkinnenhaut und Kapselanteile.

√úber Probeimplantate wird die Passgenauigkeit der definitiven Implantate √ľberpr√ľft, bevor diese zementfrei eingesetzt werden. Anschlie√üend verschlie√üt der Operateur die Gelenkkapsel und die Sehnenh√ľllen √ľber einem Blutablaufschlauch.

Zum Vernähen der Wunde verwendet er einen nicht resorbierenden Faden. Liegt eine Achsfehlstellung des Gelenks vor, wird der Eingriff um eine Sehnenverlängerung bzw. Sehnenverlagerung, eine Knochenversetzung, eine Seitenbandlösung und/oder einen Bandersatz ergänzt.

Hinweise zur Heilung

Zwei Wochen nach der Sprunggelenk-OP werden die F√§den entfernt. Belasten und Bewegen kann der Patient den Kn√∂chel abh√§ngig von seinen individuellen Verh√§ltnissen nach der ersten bis f√ľnften postoperativen Woche.

Wurden zus√§tzliche Ma√ünahmen zur Beseitigung einer Achsfehlstellung durchgef√ľhrt, verl√§ngert sich die Ruhigstellung auf circa sechs Wochen. Beschwerdefreies Gehen sollte nach drei bis sechs Monaten m√∂glich sein.

Das Einkaufen und die Haushaltsf√ľhrung sind f√ľr sechs bis zw√∂lf Wochen mehr oder weniger behindert. Auf sportliche Belastung wie Wandern oder Radfahren m√ľssen die Betroffenen etwa drei Monate lang verzichten.

Sportarten mit hoher axialer Belastung des Sprunggelenks, beispielsweise Springen, Fu√üball oder Tennis sind nach einer solchen Operation prinzipiell ung√ľnstig.

Es ist ratsam, die Nachsorge und die Reha wie vom Arzt empfohlen durchzuf√ľhren, da sonst die R√ľckgewinnung der Bewegungs- und Belastungsf√§higkeit deutlich l√§nger dauern und das Endergebnis schlechter ausfallen kann.

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