arthroskopie
Behandlung, Operationen

Arthroskopie

Was ist die Arthroskopie?

Der Terminus Arthroskopie oder arthroskopische Gelenkrevision bezeichnet eine minimalinvasive Maßnahme unter Verwendung eines speziellen Endoskops.

Sie ist eine Operationsmethode, die Einblick ins Innere der großen Körpergelenke ermöglicht. Der Begriff Arthroskopie kann im Deutschen am einfachsten mit Gelenkspiegelung übersetzt werden. Besonders häufig findet das Verfahren Anwendung am Knie (Kniespiegelung).

Kam diese Technik in der Vergangenheit hauptsächlich an großen Gelenken wie Schulter-, Ellbogen-, Hüft- oder Kniegelenk zum Einsatz, findet sie dank immer kleinerer Arthroskope und Instrumente mittlerweile auch Anwendung an kleineren Gelenken wie dem Handgelenk oder dem unteren Sprunggelenk.

Sehr weit verbreitet ist diese Methode auch bei rheumatischen Erkrankungen wie beispielsweise Arthritis oder Arthrose.

Wie häufig wird eine Arthroskopie durchgeführt?

Die arthroskopische Gelenkrevision gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Im Jahr 2014 wurde sie in deutschen Krankenhäusern insgesamt 159.790 Mal also 440 Mal am Tag durchgeführt1.

Wann ist eine arthroskopische Gelenkrevision sinnvoll?

Sinnvoll ist die arthroskopische Gelenkrevision beispielsweise bei Knieverletzungen wie einem Meniskusriss, sofern dem Patienten ohne diesen Eingriff Fehlbelastung und Verschleiß drohen. Bei freien Gelenkkörpern oder Knorpelschäden im Ellbogen oder in anderen Gelenken greift die Medizin ebenfalls auf dieses risikoarme Verfahren zurück.

Sie dient vor allem dazu, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wieder herzustellen. Sehr oft wird sie bei fortgeschrittener Arthrose durchgeführt. Sie kann aber auch Aufschluss bei unklaren Beschwerden geben.

Gelenkerhaltende Kniearthroskopie bei Arthrose

Meniskus OP ArthroskopieBei einer sich entwickelnden Arthrose wird meist als erstes versucht, das Gelenk in seinem natürlichen Zustand zu erhalten 2. Denn kein künstliches Gelenk, welches heute als Ersatz zur Verfügung steht, kann beispielsweise das natürliche Knie in seinem Bewegungsspielraum und seiner Belastbarkeit ersetzen.

Bei der Arthroskopie des Kniegelenks werden Sonden durch ein bzw. zwei kleine Hautschnitte ins Gelenk eingebracht. Zum einen kann der Arzt so die Schäden am Gelenkknorpel besser beurteilen. Zum anderen ist es aber auch möglich, konservierende Maßnahmen durchzuführen.

So wird z. B. mit Spülungen und kleineren Korrekturen versucht, den Gelenkknorpel zu glätten und so den Abrieb zu verringern. Fremdkörper (Knorpelsplitter), die sich in der Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) angesammelt haben, werden zusätzlich mithilfe spezieller Gelenkspülungen entfernt. Dadurch wird die weitere Schädigung des Gelenkknorpels verringert.

Darüber hinaus bietet die Gelenkflüssigkeit eine Möglichkeit zur Bestimmung von Biomarkern für bestimmte degenerative Prozesse oder Entzündungen, wie sie bei der Arthritis auftreten3.

Welche Vorteile bietet die Gelenkarthroskopie?

Der größte Vorteil der Arthroskopie besteht im sehr kleinen Umfang der notwendigen Schnitte für die Operation. Narbenbildung und Infektionsrisiko werden so auf ein Minimum beschränkt.

Der Eingriff ist weniger schmerzhaft und die Patienten können früher als bei einem großen gelenkeröffnenden Eingriff mit der Belastung und Rehabilitation beginnen.

Risiken der Arthroskopie

arthroskopieDennoch ist auch die Arthroskopie keine risikofreie Operation, wie z. B. anhand der Arthroskopie des Ellenbogengelenks gezeigt wurde4. Es besteht insbesondere bei der Kniearthroskopie die Möglichkeit der Verletzung von Meniskus und Bändern sowie der Infektion des Knies durch unzureichende Desinfektion des Operationsbestecks oder der Haut des Patienten.

Zudem wird der Nutzen des Eingriffs zunehmend infrage gestellt. Ärzte merken an, dass die Kniearthroskopie nur in seltenen Fällen eine Arthrose tatsächlich verhindert5. Ganz im Gegenteil ist die erreichte Schmerzlinderung nur von sehr kurzer Dauer.

Die Patienten werden dadurch in einer falschen Sicherheit gewogen und belasten ihre Gelenke zu stark. Dadurch nehmen die Schäden am Gelenkknorpel weiter zu und die wertvolle Behandlungszeit verstreicht ungenutzt.

Daher empfiehlt es sich, das Arthrosepatienten zusätzlich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking betreiben. Diese Sportarten regen die Bildung der Synovialflüssigkeit an, was für eine ausreichende Schmierung der Gelenke sorgt. Zeitgleich werden durch Sport die Muskeln gestärkt, sodass das Gelenk und der gesamte Bewegungsapparat besser gestützt werden.

Ablauf einer Arthroskopie

Die Arthroskopie kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Geht sie einher mit größeren Eingriffen und Operationen innerhalb des zu untersuchenden Gelenkes, so besteht die Möglichkeit, den Eingriff unter Vollnarkose durchführen zu lassen. In leichteren Fällen wird häufig auch die Lokalanästhesie angewendet. Dabei ist nur der Bereich, an dem die Arthrose vorgenommen wird, betäubt.

Im Falle des Knies ist es ebenfalls möglich, mittels Bandage die Blutzufuhr am Oberschenkel zu unterbrechen, um das Kniegelenk blutfrei zu bekommen. Dies ist unter Umständen bei gelenksichernden Eingriffen nach Unfällen notwendig.

Die Kniespiegelung

ArthroskopieDer Arzt macht mit einem Skalpell einen etwa 5 Millimeter breiten Einschnitt z. B. am Kniegelenk, durch den anschließend eine Sonde eingeführt wird. Die Kamera am Kopf der Sonde überträgt ein Bild in Echtzeit auf einen Monitor, sodass der Operateur direkt in das Kniegelenk blicken kann.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass sie aufgrund des kleinen Schnittes minimalinvasiv ist und zudem über weitere Instrumente auch kleinere operative Eingriffe innerhalb des Gelenkes ermöglicht.

Kleine Tasthaken, Scheren, Messer oder Fräsen können ebenfalls über die Sonde in das Gelenk eingebracht werden. Dort ist es dem Arzt auf diese Weise möglich, kleinere Schäden und Deformationen an den Gelenkflächen zu beheben. Von besonderer Bedeutung ist diese Art der Korrektur bei Patienten mit einer fortschreitenden Gelenkserkrankung wie z. B. der Arthrose.

Durch die Glättung der Gelenkflächen und das Abfischen der Knorpelsplitter aus der Synovia (Gelenkflüssigkeit) wird der Abrieb im Gelenk minimiert. Dadurch soll letztlich das natürliche Gelenk länger erhalten bleiben. Doch wie funktioniert das im Detail?

Gelenkspülung

Bei der Gelenkspülung, auch Lavage genannt, wird das Gelenk mit einer Spülflüssigkeit gereinigt und lose Knorpelteilchen und Kollagenfasern herausgespült. Dieses Basisverfahren wirkt sich bei vorliegender Arthrose günstig auf den Entzündungsprozess aus. Daraus ergibt sich eine deutliche Verbesserung der Beschwerdesymptomatik für zwei bis drei Jahre.

Sind Arthroskopie und Lavage wirksam?

Zwar ist die sogenannte therapeutische Arthroskopie mit einer Lavage, also die Gelenkspiegelung mit dem Ziel auch etwas zu verbessern und das Gelenk von Schlackestoffen zu befreien, eine weit verbreitete Therapiemaßnahme. Sie wird aber zunehmend auch kritisiert.

So hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in 2014 die vorhandenen Studien zur Effektivität einer therapeutschen Arthroskopie zusammengefasst. Das Institut kommt zu dem Schluss, dass der Nutzen nicht belegt ist. Den vollständigen Text können Sie hier abrufen.

Entfernung von Osteosynthesematerial

Bei der operativen Versorgung von Knochenverletzungen wie Brüchen kommen Metallplatten, Drähte, Schrauben oder Nägel zum Einsatz, welche die Bruchenden in Position halten, bis der Knochen zusammengewachsen ist. Nach der vollständigen Verheilung haben diese Implantate ihren Zweck erfüllt und können entfernt werden.

Das wird insbesondere dann notwendig, wenn die Beweglichkeit der anliegenden Gelenke beeinträchtigt ist. Die arthroskopische Gelenkrevision bietet die Möglichkeit, das Material minimalinvasiv zu entfernen, sofern es klein genug ist.

Gelenkmobilisation

In einigen Fällen kommt es nach Verletzungen zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen an Gelenken. Bei einer arthroskopisch durchgeführten Gelenkmobilisation werden Verwachsungen abgelöst oder die geschrumpfte Gelenkkapsel durchtrennt. Die Abtragung von Osteophyten (degenerative Knochenneubildungen) kann ebenfalls zur Wiederherstellung der Beweglichkeit beitragen.

Entfernung freier Gelenkkörper

Freie Gelenkkörper treten besonders häufig im Ellbogen- und im Kniegelenk auf. Klemmen sie sich in den Gelenkspalt ein, führt dies unter Umständen dazu, dass aus der Knorpelschicht ganze Knorpelstücke herausgerissen werden und weitere Gelenkkörper entstehen.

Dieser Teufelskreis lässt sich durch die minimalinvasive Entfernung der freien Gelenkstücke durchbrechen.

Wie lange dauert die Erholungsphase?

Die arthroskopischen Gelenkrevision ist ein risikoarmes Verfahren, das nur selten Komplikationen verursacht. Nur vereinzelt treten Schmerzen, Schwellungen oder Gelenkergüsse auf. Üblicherweise wird am ersten und dritten Tag nach der Operation eine Nachkontrolle durchgeführt. Um dem Gelenk schnell seine volle Funktion wiederzugeben, sollte es unter Anleitung eines Krankengymnasten trainiert werden.

Die Heilungsdauer ist gemeinhin kürzer als nach einer offenen Gelenkrevision. Solange keine schweren Belastungen auftreten, sind sportliche Aktivitäten nach sechs bis acht Wochen wieder möglich. Rotationsbewegungen des betroffenen Gelenks sollten für längere Zeit unterbleiben.

Wie kann der Patient die Heilung positiv beeinflussen?

Direkt nach dem Eingriff empfehlen sich die Kühlung, die Schonung und die Hochlagerung des Gelenks. Gegen Schwellungen helfen Hausmittel wie die altbewährten Quarkwickel. Bei Bedarf können in Absprache mit dem Arzt Schmerzmittel eingenommen werden. Handelt es sich um das Knie- oder das Sprunggelenk, benötigt der Patient vorübergehend Gehstützen, die er auch konsequent benutzen sollte.

Nach Entfernen der Verbände ist das Duschen problemlos möglich. Um Infektionen zu vermeiden, ist jedoch darauf zu achten, dass die Wunden nicht nass werden. Spezielle Duschpflaster erweisen sich hierbei als ebenso hilfreich wie Haushaltsfolie. Wannenbäder sollten erst wieder auf dem Programm stehen, wenn die Wunden komplett verheilt sind.

Welche Alternativen zur arthroskopischen Gelenkrevision gibt es?

Eine Alternative zur arthroskopischen Gelenkrevision ist die klassische Arthrotomie, die Eröffnung des Gelenks mittels konservativer Schnitttechnik. Da hierbei gelenknahe Weichteilstrukturen durchtrennt werden müssen, gestaltet sich der Heilungsverlauf langsamer und teilweise auch unvollständiger, als bei dem minimalinvasiven Verfahren.

Deshalb kommt die Arthrotomie routinemäßig nur noch in der Tumorchirurgie, bei endoprothetischen Ersatzplastiken oder, als letzter Ausweg, bei Gelenkinfektionen zur Anwendung. Zur Wiederherstellung der Beweglichkeit sowie zur Versteifung oder zur Teilsperrung eines Gelenks kann die Operation am offenen Gelenk ebenfalls angezeigt sein.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt www.destatis.de; Die 50 häufigsten Operationen der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern; Abruf: 15.10.2015
  2. Richmond. 2013. Surgery for osteoarthritis of the knee. Rheum Dis Clin North Am 39(1), 203-11; doi: 10.1016/j.rdc.2012.10.008
  3. Singhal et al. 2013. Arthroscopic synovial biopsy in definitive diagnosis of joint diseases: An evaluation of efficacy and precision. Int J Appl Basic Med Res 2(2), 102-6; doi: 10.4103/2229-516X.106351
  4. Khanchandani. 2012. Elbow arthroscopy: review of the literature and case reports. Case Rep Orthop 2012, 478214; doi: 10.1155/2012/478214
  5. Shin & Lee. 2012. Arthroscopic treatment for osteoarthritic knee. Knee Surg Relat Res 24(4), 187-92; doi: 10.5792/ksrr.2012.24.4.187

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