Bandscheibenvorfall

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Meist genügt bei Rückenschmerzen nach einem Bandscheibenvorfall eine konservative Behandlung mit Hilfe von Medikamenten und Krankengymnastik. In einigen Fällen führt jedoch ein Bandscheibenvorfall zu einem mechanischen Problem in Form einer Nervenquetschung durch Bandscheibengewebe, die sich nur durch einen operativen Eingriff beheben lässt.

Hierfür kommen heute für gewöhnlich minimalinvasive Verfahren zum Einsatz, die als risikoarm gelten und gute Erfolge versprechen.

In Deutschland finden jedes Jahr knapp 149.000 solcher Eingriffe statt1.

Wann ist die chirurgische Resektion von Bandscheibengewebe notwendig?

 

Obwohl die Bandscheiben-OP in aller Munde ist, werden nur etwa fünf Prozent aller Patienten auf diese Weise behandelt. Ein solcher Eingriff ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Quetschung der Nervenwurzel zu heftigsten Schmerzen führt oder es zu neurologischen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen im Bein kommt.

Eine sofortige Operationsindikation stellt der Ausfall der Harn- und Stuhlkontrolle dar.

Eine Operation kann auch dann angesagt sein, wenn die Schmerzen im Rücken und im Bein trotz intensiver konservativer Therapie nicht innerhalb von sechs bis acht Wochen nachlassen. Dies ist häufig dann der Fall, wenn das Bandscheibengewebe den umliegenden Faserring bereits durchbrochen und sich unter der Nervenwurzel verklemmt hat.

Stellt sich anhand einer Computer- oder Kernspintomografie heraus, dass der Nerv eingeklemmt ist, empfiehlt es sich, nicht zu lange mit dem Eingriff zu warten. Dauert die Quetschung zu lange an, kann sich anderenfalls eine Narbe innerhalb der Nervenwurzel entwickeln, die auch nach operativer Druckentlastung zu Empfindungsstörungen und Schmerzen führen kann.

Wo werden minimalinvasive Bandscheiben-OPs durchgeführt?

 

Schmerzende Wirbelsäule von der Seite in 3D mit rot strahlendem Schmerzpunkt

Da nur erfahrene Chirurgen diesen Eingriff sicher durchführen können, wird dieser längst nicht von allen Kliniken angeboten. Ein Operateur, der fähig ist, diese anspruchsvollen Techniken anzuwenden, hat nicht nur ein Medizinstudium und eine mehrjährige Facharztausbildung absolviert, sondern auch an zahlreichen Fortbildungen teilgenommen.

Des Weiteren benötigt die anbietende Klinik ein besonderes technisches Equipment. So ist beispielsweise ein mit einem röntgendurchlässigen Tisch ausgestatteter Operationssaal erforderlich, da sich nur so die Operationswerkzeuge im Verlauf der Bandscheiben-Operation kontrollieren lassen.

Auch das OP-Personal muss speziell ausgebildet sein, da sich die Arbeitsweise bei minimal-invasiven Verfahren von der bei herkömmlichen invasiven Methoden unterscheidet. Andere, viel feinere Instrumente sind ebenso unabdingbar wie hochauflösende CTs und moderne Endoskope.

Was geschieht bei der Bandscheiben-Operation?

 

Mittlerweile gibt es mehrere minimalinvasive Operationstechniken, deren Ziel darin besteht, vorgefallenes Bandscheibengewebe zu entfernen, um die gequetschte Nervenwurzel zu entlasten. Welche Methode jeweils Anwendung findet, richtet sich nach dem vorliegenden Befund, den anatomischen Gegebenheiten des Patienten und nicht zuletzt auch nach den Erfahrungen des Chirogen.

Der Eingriff kann mikrochirurgisch oder perkutan endoskopisch in Vollnarkose oder unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Um den Eintrittspunkt genau festlegen zu können, erfolgen beide Verfahren unter Röntgenkontrolle.

Offener mikrochirurgischer Eingriff

Bei der offenen mikrochirurgischen Vorgehensweise wird zunächst ein kleiner Hautschnitt von circa zwei Zentimeter Länge angelegt. Über diesen kann der Chirurg das Operationsareal mithilfe eines Mikroskops direkt überblicken.

arzt fhrt eine arthroskopie durch

Das vorgefallene Bandscheibengewebe wird vorsichtig mit feinsten Mikroinstrumenten entfernt. Gegebenenfalls werden auch Einengungen durch Knochen beseitigt, um die Nervenwurzel von jeglichem Druck zu befreien.

Um ein Nachrutschen von weiterem Bandscheibengewebe zu verhindern, dürfen keine lockeren Knorpelteile im Bandscheibenraum zurückbleiben.

Perkutaner endoskopischer Eingriff

Beim perkutan endoskopischen Eingriff bringt der Operateur ein Endoskop von der Seite aus in den Körper des Patienten ein. Dieses schmale Rohr dient als Arbeitskanal, durch den mittels sehr feiner Werkzeuge operiert wird.

Dazu genügt ein sehr kleiner Hautschnitt von gerade einmal sieben bis zehn Millimetern. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass im Bereich der Muskeln und Knochen sowie im Wirbelkanal nur wenig Gewebe zerstört wird. Dadurch kommt es zu deutlich geringeren Vernarbungen.

Der Eintrittspunkt für das Endoskop befindet sich meist im sogenannten Zwischenwirbelloch, durch welches die Nerven aus der Wirbelsäule austreten. Ebenso besteht die Möglichkeit, ähnlich dem mikrochirurgischen Eingriff von hinten über einen fünfzehn bis achtzehn Millimeter langen Hautschnitt zu operieren. Auch hier fallen die Gewebetraumatisierungen und somit auch die Vernarbungen geringer aus.

Bei beiden Verfahren kann ein Laser verwendet werden, um Vorwölbungen und Vorfälle der Bandscheiben zu schrumpfen und die Lücke, durch welche sich das Bandscheibengewebe gezwängt hat, wieder zu verschweißen. Die vollständige Entfernung der Bandscheibe ist bei dieser Methode nicht erforderlich.

Mit dem Laser können zudem Bandscheibenstücke verdampft werden, die sich der endoskopischen Operation mit den feinen Fasszangen nicht erreichen und beseitigen lassen. Zusätzlich kann der Laser Schmerzrezeptoren im Bereich der Bandscheibenkapsel oder des hinteren Längsbandes ausschalten.

Wie lange dauert die Erholungsphase?

Bei vielen Patienten ist bereits unmittelbar nach dem Eingriff eine deutliche Entlastung festzustellen. Trotzdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Operation nie zu einer hundertprozentigen Wiederherstellung führen kann. Der vernarbte Hohltraum, der die Bandscheibe ersetzt, ist zwar nach etwa wenigen Wochen fest und belastungsfähig, jedoch nie so abpuffernd und elastisch wie eine gesunde Bandscheibe.

Stützkorsett nach bandscheibeneingriffSchon zwei Stunden nach der Operation darf der Patient den Aufwachraum mit einem individuell angepassten Mieder verlassen. Bei schwierigeren Eingriffen kann sich das Abklingen der Restbeschwerden über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen hinziehen.

Die erste Nachkontrolle und eine Besprechung des Operationseingriffs erfolgen einen Tag nach der OP. Danach wird der Patient nach Hause entlassen. Nach etwa einer Woche wird die Therapie mit gezielten krankengymnastischen Übungen fortgesetzt.

Wie kann der Patient die Heilung positiv beeinflussen?

In der ersten postoperativen Zeit sollten größere körperliche Belastungen vermieden werden. Die Patienten können jedoch abwechselnd Sitzen, Stehen, Gehen oder Liegen. Nach einigen Tagen stellen leichte Bürotätigkeiten kein Problem mehr dar. Auch das eigenständige Autofahren über kurze Distanzen ist dann wieder möglich.

Innerhalb der ersten zwei Wochen wird das Spezialkorsett tagsüber unter der normalen Kleidung getragen. Volle Einsatzfähigkeit besteht üblicherweise nach etwa zwei bis vier Wochen. Schwimmen ist nach zehn Tagen erlaubt, Rad fahren nach drei Wochen.

Mit Tennis, Reiten, Fußball, Golf, Skifahren und anderen besonders bewegungsintensiven Sportarten sollten die Patienten allerdings erst nach Ablauf von sechs Wochen wieder beginnen.

  1. „Statistisches Bundesamt www.destatis.de; Abruf: 16.8.2010“
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