Blutegeltherapie
Behandlung

Blutegeltherapie bei Arthrose – kleiner Wurm, große Wirkung

Blutegeltherapie bei Arthrose – alt und bewährt

Arthrose zählt zu den weltweit häufigsten Gelenkerkrankungen. Sie führt zur Einschränkung der Beweglichkeit der betroffenen Gelenke und kann starke Schmerzen verursachen. Die schulmedizinische Arthrosetherapie beschränkt sich oftmals auf die Behandlung der Symptome.

Bei schwereren Ausprägungen wird sehr schnell zur Operation geraten, obwohl sich beispielsweise auch durch eine Umstellung der Ernährung bei Arthrose einiges erreichen lässt.

Über eine Ernährungsumstellung und diverse Hausmittel gegen Arthrose hinaus gibt es eine weitere Möglichkeit, arthrosebedingte Gelenkbeschwerden zu lindern: die Blutegeltherapie.

Blutegel – was sind das für Tiere?

Der Blutegel, lateinisch „Hirudo medicinalis“, gehört zur Gruppe der Ringelwürmer.

Beheimatet ist er im Süßwasser.

Große Exemplare werden bis zu 15 Zentimeter lang.

Der Schlund dieser Tiere hat drei Kiefer, die mit scharfen Zähnen besetzt sind. Daher sieht der Biss wie ein dreistrahliger Stern aus.

Tatsächlich sind die kleinen Blutsauger lebende Miniapotheken.

Ihr Speichel besteht aus mehr als einhundert Wirkstoffen, die Schmerzen und Entzündungen lindern, die Durchblutung fördern und die Blutgerinnung hemmen.

VIDEO – Blutegel – Parasiten mit gesundheitlichem Nutzen

Nicht jeder Blutsauger ist ein unerwünschter Parasit. Schauen Sie hier den Beitrag vom Südwestrundfunk – SWR aus dem Jahre 2012.

Die Blutegeltherapie ist sehr alt und bewährt

In Mesopotamien wurde das Heilverfahren ebenso angewandt wie im alten Ägypten. Im Mittelalter hielt diese Form des Aderlasses auch in Europa Einzug.

Selbst Tiere nutzen instinktiv die Heilkraft der Egel. Beispielsweise gehen Rinder, Schafe, Pferde und Wasserbüffel mit Gelenkproblemen gezielt in Gewässer, in denen es Blutegel gibt. Dort warten sie geduldig, bis die Würmer sich vollgesaugt und ihre helfenden Sekrete in der Wunde zurückgelassen haben.

Von den im Blutegelspeichel enthaltenen Stoffen sind bis heute nicht alle entdeckt und erforscht. Die relevantesten sind Histamin und Hirudin. Histamin hat eine blutgefäßerweiternde Wirkung und sorgt dafür, dass mehr Blut zur Bissstelle gelangt. Das Polypeptid Hirudin wirkt durch seine Fibrinaktivierung blutgerinnungshemmend und ermöglicht dem Blutegel, das Blut seines Wirtes ohne Zeitdruck aufzunehmen.

Wie wird die Blutegeltherapie durchgeführt?

Angst brauchen die Patienten vor der Behandlung gegen Arthrose nicht zu haben. Der Biss eines Blutegels ist wenig bis gar nicht schmerzhaft. Viele Menschen vergleichen das Festsaugen der Egel mit einem Nadelstich und das, was dann folgt, mit dem Gefühl nach dem Berühren einer Brennnessel.

Vorbereitung der Blutegeltherapie

Da die Tiere sensibel auf Hautgerüche, Duftstoffe sowie Ausdünstungen von Alkohol, Nikotin und Medikamenten (z. B. Antibiotika) reagieren, sind vor der Anwendung einige Regeln zu beachten. So sollte der Patient seine Haut im zu behandelnden Bereich ausschließlich mit Wasser waschen. Um die Durchblutung zu fördern, sollte die Stelle außerdem vorab mit einem feuchtwarmen Tuch abgerieben werden.

Ausführung der Blutegelbehandlung

Je nach Ansatzstelle und Behandlungsgrund kommen zwei bis zwölf Blutegel zum Einsatz. Diese werden in ein Laborröhrchen gegeben und dann direkt mit dem Kopf auf die entsprechende Stelle gesetzt. Ist eine ganz bestimmte Bissstelle geplant, wird diese mithilfe einer Blutlanzette angestochen, um das Tier genau auf diesen Punkt zu lenken.

Bis ein Blutegel anbeißt und mit dem Saugen beginnt, können mehrere Minuten vergehen. Für ihre Arbeit benötigen die Würmer Halbdunkel und Ruhe. Sobald sie sich vollgesaugt haben, fallen sie von allein ab. Das kann je nach Blutfluss zehn Minuten, aber auch eine Stunde und länger dauern. Jeder Egel nimmt etwa zehn Milliliter Blut auf.

Was passiert nach der Behandlung?

Nach dem Abfallen der Egel blutet die Bissstelle noch circa vier bis zwanzig Stunden nach. Dieser Effekt ist erwünscht. Daher wird abschließend ein saugfähiger Verband angelegt, der spätestens nach zwölf Stunden gewechselt werden muss. Hat das Nachbluten aufgehört, empfiehlt es sich, den Verband durch ein hautfreundliches Pflaster zu ersetzen. Häufig juckt die Wunde leicht und das Pflaster verhindert, dass der Patient sich an der Stelle kratzt und sie mit Keimen infiziert. Nach sieben bis zehn Tagen fällt die Wundkruste ab und es bleibt eine maximal erbsengroße Narbe.

Oft reicht schon eine Sitzung aus, um eine spürbare Linderung der Beschwerden zu erreichen. Einmal eingetreten, hält die Wirkung über längere Zeit an. Es kann jedoch sein, dass es einer zweiten Behandlung bedarf, bis ein Effekt eintritt. Eine erneute Sitzung darf allerdings erst nach drei bis fünf Tagen erfolgen.

Bei Arthrose werden die Blutegel fast ausschließlich an Gelenke, Knochen und Knorpelgewebe angesetzt. Anwendung finden die Sauger vor allem am Kniegelenk, am Daumensattelgelenk und bei Wirbelsäulendegeneration. Bewährt hat sich die Therapie aber auch bei Arthrosen am Handgelenk, an der Schulter und am Fuß.

Bei arthritisbedingten Gelenkbeschwerden ist es hingegen erforderlich, den gesamten Körper und alle Systeme einzubeziehen. Dafür werden die Tiere an Akupunkturpunkte angesetzt, die lymphatische, endokrine, immunologische, zirkulatorische und metabolische Prozesse sowie das Mikrobiom (Darmflora) beeinflussen.

In der Praxis erzielt die Behandlung von Arthritis mit Blutegeln schnellere und häufigere Ergebnisse, während sich altersbedingter Gelenkverschleiß nicht so leicht stoppen lässt. Zwar können die Blutegel auch lang anhaltend oder sogar dauerhaft Arthrosebeschwerden wie Gelenkschmerzen lindern. Geheilt werden abgenutzte Knorpelstrukturen und Knochen dadurch aber ebenso wenig wie durch eine Umstellung der Ernährung bei Arthrose.

suesse blutegel bei der Therapie

Vorzeitiges Beenden der Blutegeltherapie

Soll die Behandlung aus irgendeinem Grund abgebrochen werden, kann es helfen, einen mit Alkohol befeuchteten Tupfer in die Nähe des Egels zu halten. Hat dieser sich schon länger vollgesaugt, lässt er sich oft auch durch das vorsichtige Anheben der Kopfstelle mit einem Holzspatel lösen.

Keinesfalls dürfen Blutegel abgerissen werden, da hierbei der Kiefer in der Bisswunde zurückbleiben könnte. Auch das Bestreuen mit Salz muss unterbleiben, weil die kleinen Blutsauger sich dann erbrechen. Dadurch könnten Bakterien in die Wunde gelangen.

Verhalten nach der Blutegelbehandlung

Während die Wunde noch nicht geschlossen und durch einen Verband bedeckt ist, sollte auf das Duschen oder Baden verzichtet werden. Zudem sollten es die Patienten unterlassen, Sport zu treiben oder sich anderweitig körperlich anzustrengen.

Welche Nebenwirkungen und Risiken sind im Zusammenhang mit der Blutegeltherapie bekannt?

Grundsätzlich gilt die Blutegeltherapie als sanftes, nebenwirkungsarmes Naturheilverfahren bei Gelenkschmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Dennoch lassen sich Nebenwirkungen nicht immer ausschließen. Diese beschränken sich in den meisten Fällen auf Hautrötungen und einen leichten Juckreiz. Manchmal kommt es auch zu Schwellungen, Infektionen, Pigmentstörungen, Blutergüssen und allergischen Reaktionen, die jedoch keine Gefahr für die Patienten darstellen.

In Einzelfällen können verstärkte Nachblutungen, Fieber, Schüttelfrost und Kreislaufproblemen mit Blutdruckabfall auftreten. Dann empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen.

Bei welchen Erkrankungen kommt die Blutegeltherapie noch zur Anwendung?

Naturheilkundler setzen die Blutegel außer bei Gelenkbeschwerden durch Rheuma und Arthrose auch in folgenden Bereichen ein:

  • Entzündungen (z. B. chronische Sinusitis),
  • Erkrankungen der Venen (z. B. Krampfadern),
  • Erkrankungen der Augen (z. B. Alterskatarakt),
  • lokale Infektionen (z. B. Furunkel),
  • Störungen der Kreislaufregulation (z.B. Bluthochdruck).

In der plastischen Chirurgie kommen Blutegel ebenfalls zum Einsatz. Setzen die Ärzte bei Replantationen verlagerte Organe oder abgetrennte Gliedmaßen zurück an ihren ursprünglichen Ort, können hartnäckige Blutergüsse auftreten. Diese lassen sich durch die Blutegeltherapie recht schnell beseitigen. Zudem sorgen die kleinen Sauger mit ihren Sekreten dafür, dass der Blutfluss erhalten bleibt und die Körperteile wieder anwachsen.

Wann ist eine Blutegeltherapie nicht durchführbar?

Die Behandlung mit Blutegeln ist keine Option, wenn die Patienten blutverdünnende Medikamente nehmen oder schwere Lebererkrankungen haben. Drei Tage vor oder nach einer Operation oder Zahnextraktion wird diese Therapie ebenfalls nicht durchgeführt.

Weitere Ausschlussgründe sind arterielle Verschlusskrankheiten und bei einer individuell schlecht kontrollierten Diabetes mellitus. Zudem dürfen Blutegel nicht in von Hautkrankheiten betroffenen Bereichen angesetzt werden.

Weitere Kontraindikationen sind:

  • Wundheilungsstörungen,
  • Keloidneigung,
  • Magenblutung/erosive Gastritis,
  • Kachexie,
  • Krebserkrankungen,
  • schwere Anämien.

Was bewirkt die Blutegeltherapie bei Gelenkverschleiß?

Bei der Blutegeltherapie handelt es sich um eine Methode, die sich seit Jahrhunderten in den verschiedensten medizinischen Bereichen bewährt hat. Beispielsweise kommen die schleimigen Tierchen bei der Behandlung von Krampfadern zur Anwendung. In neueren Forschungen, die unter anderem in der Charité Berlin durchgeführt wurden, konnte ihre Wirksamkeit aber auch bei Arthrosen (insbesondere bei Daumensattelgelenk- und Kniearthrose) nachgewiesen werden.

Die Wirkung der Blutegeltherapie beruht auf verschiedenen Mechanismen. Einerseits wird das Gewebe durch den Blutentzug von „altem Blut“ gereinigt. Andererseits gibt der Egel zahlreiche Substanzen in die Bissstelle ab, die den Lymphstrom beschleunigen, kleine Blutgerinnsel auflösen und die Blutgerinnung herabsetzen. Hierdurch wird das Zwischenzellgwebe von Schlacken befreit. Darüber hinaus führt das Sekret des Tieres zu einer direkten Schmerzstillung, während die Entstauung und Reinigung des Gewebes eine langfristige Schmerzlinderung bewirkt.

Der Gelenkspalt, in dem sich häufig abgelöste Knorpelstücke ablagern, wird ebenfalls gesäubert. Dadurch klingen nicht nur vorhandene Entzündungsprozesse im Gelenk ab, es wird auch zukünftigen Entzündungen vorgebeugt. Außerdem wird die Ernährung des Knorpels über die Gelenkflüssigkeit verbessert.

Der gesamte Vorgang funktioniert mithilfe des körpereigenen Immunsystems. Die Egelsubstanzen aktivieren die Immunprozesse und stärken damit die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Wie oft kann eine Blutegelbehandlung gegen Arthrose durchgeführt werden?

Die meisten Patienten sprechen bereits nach der ersten Sitzung auf die Blutegeltherapie an. Nur circa 15 Prozent der behandelten Personen verspüren keine Linderung. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Behandlung nach einigen Tagen bis Wochen zu wiederholen. Manchmal tritt die erwünschte Besserung erst nach der zweiten Therapie ein. Einige Menschen sprechen überhaupt nicht auf die Blutegeltherapie an. Diese ist zwar gerade bei Arthrosen sehr bewährt, aber eben kein „Allheilmittel“.

Ist der Patient relativ jung, gestalten sich die „Aufräumarbeiten“ im Körper effektiver. Aber auch bei der Behandlung älterer Menschen lässt sich nach der ersten Blutegeltherapie eine stetige positive Dynamik feststellen. Laut einer am Knie durchgeführten Studie hielt die lindernde Wirkung bei jedem zweiten Patienten länger als sechs bis zwölf Monate an. Während dieser Zeit ist einerseits das erkrankte Gelenk besser beweglich und stärker belastbar. Andererseits sind auch weniger Medikamente erforderlich. Lässt der Effekt nach, kann die Behandlung in derselben Weise wiederholt werden.

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Wer führt die Blutegeltherapie bei Gelenkschmerzen durch?

Sowohl spezialisierte Ärzte und Kliniken als auch Naturheilkundler können mit Menschen mit Blutegeln gegen Arthrose behandeln. Bei diesen Adressen können sich die Patienten sicher sein, dass es sich um speziell für medizinische Zwecke gezüchtete Egel handelt, die nicht mit Bakterien oder Vieren verunreinigt sind. Die in Deutschland verwendeten Blutegel stammen zum größten Teil aus Biebertal. Die dort ansässige Blutegelzucht GmbH verschickt jährlich rund 300.000 Exemplare an Praxen, Heilpraktiker und Krankenhäuser.

Eine Eigenbehandlung ist zwar grundsätzlich möglich. Es wird jedoch dringend davon abgeraten, Blutegel als Hausmittel gegen Arthrose zu verwenden. Werden die Ringelwürmer falsch platziert, beispielsweise über einer blutreichen Ader, können sich eventuell vorhandene Blutgerinnsel lösen und im Körper Schaden anrichten.

Jeder Blutegel darf nur ein Mal verwendet werden, da ansonsten die Gefahr bestünde, bei einem anderen Patienten Infektionskrankheiten herbeizuführen. Im Anschluss an die Behandlung werden die Tiere deshalb fachgerecht getötet (durch 100-prozentigen Alkohol oder Einfrieren) oder an den Züchter zurückgegeben. Dieser setzt sie in einen sogenannten “Rentnerteich”, wo sie den Rest ihres Lebens unter natürlichen Bedingungen verbringen.

Arthrose behandeln mit Blutegeln – wer übernimmt die Kosten?

Inklusive Vorgespräch, Behandlung und Nachsorge liegt der Preis für eine Blutegelbehandlung beim Heilpraktiker bei circa 300 Euro. Die Krankenkassen kommen für ambulante Behandlungen in aller Regel nicht auf, obwohl mittlerweile einige Studien die Wirksamkeit von Blutegeln bei Gelenkproblemen bestätigen. Ausnahmen sind Patienten, die eine Zusatzversicherung für naturheilkundliche Verfahren abgeschlossen haben. Wird die Behandlung im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts durchgeführt, übernehmen die Krankenkassen hingegen die Kosten.

Andere Behandlungsmethoden bei Arthrose

Es gibt viele verschiede und sich oft ergänzende Behandlungsmethoden bei Arthrose. Wir haben für Sie beispielsweise die Knorpeltransplantation, Ayurvedatherapie, sowie die korrekte Ernährung bei Arthrose genauestens recherchiert.

Zusätzlich sind Nahrungsergänzungen bei Arthrose sehr populär. Hier finden Sie eine Übersicht der besten Gelenknahrungen, um Ihre Gelenke mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

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